6 Buddhistische Lehren von Tilopa bis Naropa

Los consejos o enseñanzas de Tilopa a Naropa.

Tilopas Rat an Naropa ist ein Juwel des tibetischen Buddhismus und gehört zu den tiefgründigsten und direktesten Lehren des Vajrayana. Tilopa und Naropa sind zwei große Meister der Kagyü-Tradition des tibetischen Buddhismus, und die Beziehung zwischen ihnen ist ein klassisches Beispiel für eine Meister-Schüler-Beziehung.

Tilopa war ein verwirklichter Meister, der im 10. Jahrhundert in Indien lebte. Naropa hingegen war ein Gelehrter und ein Adept an der Klosteruniversität von Nalanda. Trotz seines enormen Wissens und seiner Fähigkeiten hatte Naropa das Gefühl, dass ihm etwas in seinem spirituellen Verständnis fehlte. Nach einer Reihe von Visionen und prophetischen Träumen verließ er seine Position in Nalanda und begab sich auf die Suche nach Tilopa.

Das Treffen zwischen Tilopa und Naropa war nicht einfach. Naropa musste eine Reihe von Tests und Herausforderungen überwinden, bevor er als würdig erachtet wurde, Tilopas direkte Lehren zu empfangen. Diese Tests waren nicht nur physisch, sondern stellten auch seine Vorurteile und sein Ego in Frage.

Was waren Tilopas 6 Ratschläge an Naropa?

Als die Zeit endlich gekommen war, übermittelte Tilopa Naropa sechs wesentliche Ratschläge, die die Essenz des Vajrayana-Pfades zusammenfassen. Trotz ihrer scheinbaren Einfachheit verbergen diese Lehren eine unvorstellbare Tiefe, die in der Lage ist, den Geist derjenigen, die bereit sind, über sie zu meditieren, vollständig zu transformieren. Die Ratschläge lauten:

Erinnere dich nicht (lass los, was vergangen ist)

Sich nicht an die Vergangenheit zu erinnern, bedeutet nicht unbedingt, dass wir unsere vergangenen Erfahrungen vergessen oder völlig ignorieren sollten. Vielmehr geht es darum, uns von den emotionalen und mentalen Ketten zu befreien, die uns auf schädliche Weise an diese Erinnerungen binden. Dies ist wesentlich für unser persönliches Wachstum und unsere Entwicklung.

Die Vergangenheit ist eine wertvolle Quelle des Lernens. Unsere vergangenen Erfahrungen, positive wie negative, haben dazu beigetragen, uns zu dem zu machen, was wir heute sind. Es ist jedoch üblich, dass Menschen an vergangenen Erfahrungen festhalten, die ihnen Schmerz, Bedauern oder Groll verursacht haben. Diese negativen Emotionen können zu Ketten werden, die unsere Fähigkeit einschränken, in der Gegenwart voll und ganz zu leben und eine gesündere und sinnvollere Zukunft anzustreben.

Der erste Schritt zur konstruktiven Anwendung von Tilopas Ratschlägen besteht darin, die emotionalen Ketten zu erkennen, die uns an die Vergangenheit binden. Dazu gehört eine ehrliche und mutige Selbsteinschätzung. Wir müssen eingehend untersuchen, welche Aspekte unserer Vergangenheit unser Leben weiterhin negativ beeinflussen. Stecken wir in schädlichen Gedankenmustern fest? Halten wir an Wut, Groll oder Reue fest? Behindern diese Emotionen unser Wachstum und Wohlbefinden?

Sobald wir diese emotionalen Ketten erkannt haben, können wir daran arbeiten, uns von ihnen zu befreien. Das bedeutet nicht, die Emotionen zu unterdrücken oder zu leugnen, sondern sich ihnen mit Mut und Verständnis zu stellen. Die Praxis der Meditation und Achtsamkeit kann in diesem Prozess besonders hilfreich sein, da sie uns erlaubt, unsere Emotionen ohne Bewertung zu beobachten und ihre Quelle zu verstehen.

Indem wir diese Emotionen verstehen und verarbeiten, können wir wertvolle Lehren aus der Vergangenheit ziehen und uns von ihrem negativen Einfluss befreien. Anstatt von unseren schmerzhaften Erinnerungen gefangen gehalten zu werden, können wir diese Erfahrungen nutzen, um zu wachsen, zu reifen und uns auf ein erfüllteres und sinnvolleres Leben zuzubewegen.

Tilopas Ratschlag erinnert uns daran, dass die Vergangenheit keine Last sein sollte, die uns daran hindert, vorwärts zu gehen, sondern eine Quelle der Weisheit, die wir anzapfen können. Wenn wir die emotionalen Ketten, die uns an diese Erinnerungen binden, loslassen, gewinnen wir die Fähigkeit, in der Gegenwart mit größerer Klarheit und Gelassenheit zu leben. Dies wiederum ermöglicht es uns, uns zu transformieren und uns zu einem Zustand größerer Ganzheit und Ausgeglichenheit in unserem Leben zu entwickeln.

Fantasieren Sie nicht (Lassen Sie los, was kommen mag)

Zunächst einmal ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass der Ratschlag nicht bedeutet, dass wir die Planung und Zielsetzung in unserem Leben völlig aufgeben sollten. Tatsächlich befürwortet der Buddhismus einen ausgewogenen Ansatz. Planung ist wichtig, um Ziele zu erreichen und unsere Träume zu verwirklichen. Der Schlüssel liegt jedoch darin, nicht von der Zukunft besessen zu werden oder zuzulassen, dass Ängste oder unrealistische Erwartungen uns beherrschen.

Das Leben ist von Natur aus ungewiss. Oft laufen die Dinge nicht genau so ab, wie wir sie geplant haben, und wir müssen lernen, uns an veränderte Umstände anzupassen. Dieser Ratschlag erinnert uns daran, dass wir trotz unserer besten Absichten nicht immer kontrollieren können, was in der Zukunft geschieht. Sich an starre Erwartungen zu klammern oder sich übermäßig über das Kommende zu sorgen, kann eine Quelle von Stress und Leid sein.

Menschen, die ständig die Zukunft vorwegnehmen, können in einem Zustand ständiger Angst leben. Sie machen sich Sorgen darüber, was passieren könnte, und entwerfen in ihrem Kopf Katastrophenszenarien. Dies raubt ihnen nicht nur den Seelenfrieden, sondern hindert sie auch daran, die Gegenwart in vollen Zügen zu genießen. Außerdem können diejenigen, die zu viel Zeit damit verbringen, zu phantasieren oder „das Märchen vom Milchmädchen“ zu spielen, indem sie sich perfekte Pläne ausdenken, eine tiefe Enttäuschung erleben, wenn sich die Dinge nicht wie erwartet entwickeln.

Um diesen Ratschlag zu verstehen und umzusetzen, muss man die Unbeständigkeit und Ungewissheit des Lebens akzeptieren. Meditation und Achtsamkeit sind wertvolle Werkzeuge in diesem Prozess. Diese Praktiken helfen uns, im gegenwärtigen Moment zu sein und unnötige Sorgen über die Zukunft loszulassen.

Indem wir erkennen, dass wir nicht immer kontrollieren können, was geschieht, lernen wir, mit dem Wandel zu gehen und uns an Situationen anzupassen, wenn sie entstehen. Dadurch werden nicht nur Ängste abgebaut, sondern wir können auch fundiertere und flexiblere Entscheidungen treffen, während wir durchs Leben gehen.

Dieser Ratschlag ermutigt uns auch dazu, die Gegenwart zu schätzen und das Beste aus ihr zu machen. Das Leben findet nicht erst in der Zukunft statt, sondern hier und jetzt. Indem wir ganz in der Gegenwart leben, können wir die Segnungen des Lebens genießen, bedeutungsvollere Beziehungen aufbauen und die Chancen nutzen, die sich uns bieten.

Denken Sie nicht (Lassen Sie los, was jetzt geschieht)

Auf den ersten Blick mag dies paradox oder sogar widersprüchlich erscheinen, aber in Wirklichkeit hat es eine tiefe Bedeutung für die Natur des Geistes und der Meditation.

An nichts zu denken bedeutet nicht, dass wir unseren Geist ausschalten oder uns in einen Zustand der geistigen Entfremdung begeben sollen. Vielmehr bezieht es sich auf die Praxis, sich von zwanghaften Gedanken, ständigem Grübeln und dem ruhelosen Geist zu befreien, der uns oft in Anspruch nimmt.

Im Alltag ist unser Geist mit einem ständigen Strom von Gedanken beschäftigt. Wir planen ständig, machen uns Sorgen, erinnern uns, stellen uns etwas vor, urteilen und bewerten. Diese unaufhörliche geistige Aktivität kann anstrengend sein und zieht uns oft vom gegenwärtigen Moment weg.

Tilopa fordert uns auf, die Natur unseres Geistes zu beobachten und zu erkennen, dass wir nicht Sklaven unserer Gedanken sind. Wir können lernen, geistige Stille und Gelassenheit durch Meditation und Achtsamkeit zu kultivieren. Auf diese Weise können wir mehr Klarheit und Verständnis für uns selbst und die Welt um uns herum erfahren.

Die Praxis des „Nicht-Denkens“ bedeutet nicht, dass wir überhaupt keine Gedanken haben, sondern dass wir uns nicht mit ihnen beschäftigen. Wenn Gedanken auftauchen, beobachten wir sie losgelöst und lassen sie los, wie Blätter, die auf einem Fluss treiben. So können wir uns von der Identifikation mit unseren Gedanken befreien und sind stattdessen mit unserem reinen Bewusstsein verbunden.

Der dritte Tipp hat auch tiefgreifende Auswirkungen auf das menschliche Leiden. Ein Großteil des Leidens, das wir erfahren, ist auf unseren ruhelosen Geist und die Art und Weise zurückzuführen, wie wir uns an negative Gedanken, Ängste und Sorgen klammern. Wenn wir lernen, uns nicht mit diesen Gedanken zu identifizieren, können wir uns von ihrer Macht befreien und einen größeren Seelenfrieden finden.

Wenn wir diese Ratschläge im täglichen Leben anwenden, können wir Stress, Angst und unnötiges Leid verringern. Wir lernen, uns unserer Gedanken bewusster zu werden und auszuwählen, welche Gedanken unsere Aufmerksamkeit verdienen. Anstatt Sklaven eines ruhelosen Geistes zu sein, werden wir Meister unseres eigenen Bewusstseins.

Untersuche nicht (versuche nicht, etwas zu interpretieren)

Diese Lehre ist eng mit der Idee verbunden, nicht an unseren Ideen oder Überzeugungen zu hängen, sondern zu verstehen, dass die Wahrheit schwer fassbar ist und nicht vollständig konzeptualisiert oder besessen werden kann. Dies ist wesentlich für die Praxis des Losgelöstseins und die Suche nach tiefem Verständnis im Buddhismus.

Im täglichen Leben sind unsere Ideen und Überzeugungen wertvolle Werkzeuge, um zu kommunizieren und in der Gesellschaft zu funktionieren. Sie sind die Grundlage für unser Verständnis und unsere Kommunikation mit der Welt um uns herum. Problematisch wird es jedoch, wenn wir starr an diesen Ideen festhalten und glauben, dass sie die absolute und unveränderliche Wahrheit darstellen. Diese Art von Anhaftung kann zu Engstirnigkeit, Fanatismus und der Unfähigkeit führen, andere Perspektiven anzuhören.

Tilopa erinnert uns daran, dass Ideen im täglichen Leben zwar nützlich und notwendig sind, aber nicht mit der endgültigen Wahrheit verwechselt werden sollten. Wahrheit in ihrem tiefsten Sinn ist eine direkte, gelebte Erfahrung, die über die Grenzen von Worten und Konzepten hinausgeht. Der menschliche Verstand neigt dazu, die Wahrheit in Definitionen und Kategorien einzuteilen, aber das reicht nicht aus, um ihr Wesen zu erfassen.

In der Psychologie wird dieser Gedanke mit dem Konzept der „kognitiven Flexibilität“ in Verbindung gebracht. Kognitive Flexibilität bedeutet die Fähigkeit, unsere Überzeugungen und Gedanken an neue Erkenntnisse oder Perspektiven anzupassen und zu verändern. Hier fordert uns Tilopas Lehre auf, in unserem Denken flexibel zu sein und bereit, unsere Überzeugungen loszulassen, wenn es nötig ist. Das bedeutet nicht, dass wir unsere Überzeugungen einfach aufgeben sollten, aber es bedeutet, dass wir uns bewusst sein sollten, dass unsere Ideen vorläufig und subjektiv sind.

In der Praxis bedeutet dies eine offene Haltung gegenüber neuen Ideen und ein aktives Anhören der Sichtweisen anderer. Anstatt unsere eigenen Überzeugungen vehement zu verteidigen, können wir bereit sein zu berücksichtigen, dass die Wahrheit vielschichtig und komplex sein kann. Dies fördert die Toleranz und den konstruktiven Dialog.

Indem wir begreifen, dass man Wahrheit nicht besitzen oder vollständig konzeptualisieren kann, befreien wir uns von der Last des Egos und dem Drang, immer Recht zu haben. Dies kann zu gesünderen zwischenmenschlichen Beziehungen und größerem persönlichen Wachstum führen, da wir bereit sind, von anderen zu lernen und uns in unserem Verständnis weiterzuentwickeln.

Kontrollieren Sie nicht (versuchen Sie nicht, etwas zu bewirken)

Tilopas fünfter Ratschlag an Naropa, „Versuche nicht, etwas geschehen zu lassen„, ist eine zutiefst weise Lehre, die den grundlegenden Aspekt unseres Bedürfnisses nach Kontrolle und unserer Erwartungen anspricht. Dieser Ratschlag fordert uns auf, zu erkennen, dass wir trotz unserer Bemühungen und Wünsche die Ergebnisse nicht immer kontrollieren können und dass das Festhalten an starren Erwartungen zu unnötigem Leiden führen kann.

Das Streben nach Kontrolle ist eine der menschlichen Natur innewohnende Eigenschaft. Wir wollen, dass die Dinge auf eine bestimmte Weise geschehen, um uns sicher zu fühlen und die Kontrolle über unser Leben zu haben. Die Realität sieht jedoch so aus, dass wir in einer komplexen und sich ständig verändernden Welt leben, in der es viele Variablen gibt, die sich unserer Kontrolle entziehen. Dies kann zu Situationen führen, in denen unsere Erwartungen nicht erfüllt werden, was wiederum zu Frustration und Angst führen kann.

Tilopa fordert uns auf, ein Gleichgewicht zwischen dem Setzen von Zielen und Wünschen und dem Loslassen des Drangs, die Ergebnisse zu kontrollieren, zu finden. Es ist zwar wichtig, klare Ziele zu haben und auf sie hinzuarbeiten, aber wir müssen auch flexibel und bereit sein, uns an veränderte Umstände anzupassen. Das zwanghafte Bedürfnis, etwas zu kontrollieren, was sich unserer Kontrolle entzieht, kann eine erhebliche Quelle von Leid und Stress sein.

Im Alltag bedeutet die Anwendung dieses Ratschlags, dass wir lernen müssen, uns Ziele und Wünsche zu setzen, aber nicht starr auf die Ergebnisse fixiert sein dürfen. Es ist wichtig, klare Ziele zu haben und auf sie hinzuarbeiten, aber wir müssen auch flexibel sein und bereit, uns an veränderte Umstände anzupassen. So können wir Stress und Ängste abbauen, die mit übermäßiger Kontrolle verbunden sind.

Ausruhen (Entspannen, jetzt und in Ruhe)

Ruhe bedeutet in diesem Zusammenhang, den Geist in seinem natürlichen Zustand ruhen zu lassen, ohne zu versuchen, ihn zu verändern, zu beurteilen oder zu analysieren. Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Beobachter eines Flusses. Sie versuchen nicht, die Richtung des Wassers zu ändern oder es aufzuhalten; Sie sitzen einfach am Ufer und sehen zu, wie es fließt. Genauso verhält es sich mit dem Geist. Hier zu ruhen bedeutet, Gedanken, Emotionen und Wahrnehmungen frei fließen zu lassen, ohne an ihnen festzuhalten oder sie abzulehnen.

Ausruhen ist also nicht nur eine Frage der körperlichen oder geistigen Entspannung. Es ist auch eine Rückkehr zu einer Art ursprünglicher Einfachheit, einem Zustand reinen Bewusstseins, der jenseits aller Konzeptualisierungen und mentalen Ausarbeitungen liegt. Es ist, als würde Tilopa Ihnen sagen: „Hören Sie auf, im Außen zu suchen. Alles, was Sie brauchen, ist bereits in Ihnen. Du musst nur in deiner essentiellen Natur ruhen, um es zu sehen“. Es ist ein Aufruf zur Selbsterforschung, zurück zur Wurzel dessen, was du wirklich bist, jenseits all der Geschichten, die du dir über dich selbst erzählst.

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